Chronik


60 Jahre Förderschule in Oranienburg

 

Am 01. September 1951 wurde unter maßgeblicher Organisation und Leitung von Fritz Hickstein die Hilfsschule Oranienburg, mit zunächst 6 Klassen, gegründet. Unter seiner Leitung wurde mit dem Aufbau der Allgemeinbildenden Hilfsschule begonnen.

Das Schulgebäude befand sich in der Havelstraße 18, dem heutigen Gebäude der Kreisvolkshochschule. Damals standen dem ersten Kollegium 6 Klassenräume, 1 kleiner Raum für die Vorschulgruppe, 1 Mehrzweckraum für Werken, Nadelarbeit und Hauswirtschaft, 1 kleines Lehrmittelzimmer, 1 kleines Lehrerzimmer und 1 Direktorenzimmer zur Verfügung.

 

Durch aktive gesellschaftliche Tätigkeit erkämpfte sich die Pionierfreundschaft der Hilfschule 1956 den Ehrennamen „Erich Mühsam“.

 

Am 01. September 1959 übernahm Martin Schumacher die Leitung der Hilfsschule Oranienburg, bis er 1962 nach 50-jähriger Dienstzeit aus dem Schuldienst ausschied. Er arbeitete seit 1952 als Lehrer an der Hilfsschule, wurde 1953 ihr stellv. Direktor und hatte einen entscheidenden Anteil an der Entwicklung der Hilfsschule Oranienburg.

 

Von 1962 bis 1970 leitete Hans-Dieter Kruggel die Hilfsschule Oranienburg. Im Januar 1963 musste er in einer starken Kälteperiode die Schule für 2 Wochen schließen. Der Unterricht wurde in dieser Zeit über Stützpunkte in Oranienburg, Schmachtenhagen, Sachsenhausen, Friedrichsthal und Kremmen organisiert, zu denen die Schülerinnen und Schüler einmal in der Woche zum Empfang und der Kontrolle der Hausaufgaben erschienen.

 

Am 24. April 1963 erhielt die Schule einen Hort in der Friedrich-Ebert-Straße 2. Am Vormittag wurden die 2 Räume des Hortes als Klassen- und Vorschulraum genutzt.

Im Zuge der weiteren Entwicklung des Hilfsschulaufnahmeverfahrens wurde immer deutlicher, dass die Kapazitäten der Hilfsschule Oranienburg nicht ausreichten. Daher wurde 1965 eine Außenklasse in Neuholland gebildet.

 

1968 erfolgte die Bildung weiterer Außenstellen in Oranienburg-Tiergarten mit 4 Klassen, Oranienburg-Leninallee mit 1 Klasse, Hohen Neuendorf mit 1 Klasse, Nassenheide und Freienhagen mit je 1 Klasse. 272 Schülerinne und Schüler lernten an der Hilfsschule Oranienburg.

 

1970 wurde Harald Euen Schulleiter. Im gleichen Jahr wurde in Liebenwalde eine selbstständige Hilfsschule eröffnet, die die Klassen aus Nassenheide und Freienhagen aufnahm.

 

Am 01. September 1972 zog die Hilfsschule in die Rungestraße um. Hier gab es ausreichend Räume für alle Klassen, den Vorschul- und Berufsschulteil, so dass die Außenstellen aufgelöst werden konnten.

 

Am 02.10.1979 erhielt die Hilfsschule den Namen „Fritz Weineck“ verliehen. Zum 30. Jahrestag des Bestehens wurde 1981 auf dem Schulhof ein Fritz-Weineck-Denkmal enthüllt.

 

Gleichzeitig fand erstmalig ein Kulturwettstreit der Hilfsschulen Gransee, Hennigsdorf und Oranienburg statt.

 

Ab September 1982 erfolgte der Unterricht erneut in getrennten Schulteilen. Die Gebäude der ehemaligen POS Sachsenhausen wurden von den Klassen 1 - 3 der Abteilungen I und II und den Berufsschulklassen genutzt. Die Hilfsschule Liebenwalde war inzwischen aufgelöst und der Hilfsschule Oranienburg zugeordnet worden. In das Hauptgebäude zog die Beratungsstelle für Sprach-, Stimm- und Hörgeschädigte ein. 1983 kehrten die Berufsschulklassen ins Hauptgebäude zurück. In Sachsenhausen fanden die Klassen 1- 4 und der Hort Platz.

 

Das Schuljahr 1989/90 brachte mit der Öffnung der Grenzen und der Wiedervereinigung beider deutschen Staaten vielfältige Änderungen - auch für unsere Schule.

 

Im März 1990 wurden Kontakte zur Lernbehindertenschule in Berlin-Reinickendorf aufgenommen, und 1991 fuhr eine Delegation zum Erfahrungsaustausch nach Hamm.

 

Das Jahr 1991 brachte noch weitere Veränderungen. Der ehemalige Betriebskindergarten Infrarot im Mühlenfeld konnte übernommen und so die Gebäude in Sachsenhausen aufgegeben werden.

 

Die Klassen 1 – 4 wurden im Mühlenfeld unterrichtet.

 

Der Name „Fritz Weineck“ wurde abgelegt, die Schule nannte sich nun Förderschule für Lernbehinderte.

 

Mit dem Erscheinen neuer Rahmenpläne wurde die Differenzierung des Unterrichts in Abteilung I und II aufgehoben, ebenso wurde der Berufsschulteil abgeschafft und die Schulzeit auf 10 Schuljahre verlängert.

 

Nachdem 1992 durch das Land Brandenburg eine Sonderpädagogik-Verordnung erlassen wurde, nannte sich unsere Schule fortan Allgemeine Förderschule.

 

Eine bedeutsame Verbesserung der räumlichen und sächlichen Bedingungen trat am 10.08.1996 ein. Der Allgemeinen Förderschule wurde das sanierte Gebäude des ehemaligen Runge-Gymnasiums übergeben.

 

Das Gebäude ist repräsentativ, umgeben von vielen Bäumen, vor allem Linden, inmitten des Stadtzentrums und steht unter Denkmalschutz. Hier gibt es große helle Klassenzimmer und damit hervorragende Bedingungen zum Lernen für die Schüler innen und Schüler der Klassen 7 – 10. In die „alte“ Schule gingen nun die Schüler innen und Schüler der Klassen 1 – 6.

 

Im September 2000 gab es eine weitere Veränderung. Die Turnhalle wurde nach gründlicher Sanierung erneut ihrer Bestimmung übergeben.

 

Das jahrelange Wandern in die Turnhallen anderer Schulen war damit vorüber. Bei den Wettkämpfen der allgemeinen Förderschulen der Nord-West-Region Brandenburg errang unsere Schülerinnen und Schüler manchen Pokal und im Jahr die Urkunde für besondere Aktivität und großes Engagement auf schulsportlichem Gebiet.

Als Herr Euen am 01.August 2002 in seinen wohlverdienten Vorruhestand ging, übernahm Frau Schwarzbach-Jaeschke als stellvertretende Schulleiterin kommissarisch die Aufgaben des Schulleiters. Seit 2004 ist Frau Schwarzbach-Jaeschke Schulleiterin.

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Gleichzeitig begann unser Kampf der Verbesserung der maroden Zustände im Eiermannbau in der Rungestraße. Wir erhofften uns bessere Arbeits- und Lernbedingungen. Ergebnis dieses Kampfes war der Aufbau von 3 Containerräumen auf dem Schulgelände in der Bernauer Straße.

 

In den Sommerferien 2004 begannen die Erschließungsarbeiten. Nach den Herbstferien erfolgte der Umzug für 69 Schülerinnen und Schüler. Im Zuge dieser Baumaßnahmen wurde auch gleichzeitig die Aula saniert. Nach weiteren 6 Jahren, im Jahr 2010, bekam das Schulgebäude – dank des Konjunkturpaketes – denkmalschutzgerecht sanierte Fenster und Eingangstüren.

 

Ein weiterer Höhepunkt in der Geschichte war die Namensgebung am 30.Mai 2007. Im selben Jahr wurde die Linden-Schule als sportlichste Förderschule ausgezeichnet.

 

In den 60 Jahren unseres Bestehens sind wir sehr oft umgezogen. Seit 7 Jahren haben wir endlich einen Schulstandort, an dem alle Schüler gemeinsam lernen und die Arbeit somit den Lehrer erleichtert werden konnte und das Pendeln zwischen den Schulen ein Ende hatte.

 

Vielfältige Veränderungen gab es auch im pädagogischen und personellen Bereich.

Die Sonderpädagogik-Verordnung wurde überarbeitet, der Rahmenlehrplan ist neu, aus der Schule für Lernbehinderte wurde die Schule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Lernen“, die Unterrichtsgestaltung ist vielfältiger, es gibt zu viele Verlage für Lern- und Lehrmittel, die Freiheit für die Unterrichtsgestaltung ist groß.

Unser Kollegium, das sich in den letzten Jahren sehr verjüngt hat, bemüht sich täglich um einen verantwortungsvollen Unterricht, was nicht immer leicht ist. Auch unsere Schülerinnen und Schüler haben sich verändert. Waren die Schüler früher ausschließlich lernbehindert, so sind heute viele von ihnen auch sozial-emotional gestört. Das die Arbeit mit unseren Schülerinnen und Schülern nicht immer leicht ist spiegelt sich auch in dem ganzjährig hohen Krankenstand der Lehrer wieder. Das Ziel, den Unterrichtsausfall dennoch gering zu halten, ist oftmals nur zu Lasten der Schülerinnen und Schüler durch den Wegfall von Teilungs- und Förderstunden sowie sonderpädagogischen Maßnahmen möglich.

 

Trotz allem geben wir unseren Schülerinnen und Schülern viel auf dem Weg in ihre Zukunft mit und sind stolz auf jeden Erfolg; stolz auf die 5 Schüler von 18 des Schuljahres 2010/2011, denen die einfache Berufsbildungsreife erteilt werden konnte; ebenso auf die 2 Schüler, die in eine Lehrausbildung gingen.

 

Das sind Erfolge, die unsere Schüler im geschützten Raum „Förderschule“ erreichten. Wir hoffen und wünschen, dass diese Erfolge in der individuellen Entwicklung der Schülerinnen und Schüler auch im Rahmen der Inklusion erreicht werden.